ULRIKA SEGERBERG 

text in the group-exhibition Feelings of my Thatched Hut
by Amelie Wedel 2016

Ulrika Segerberg setzt in ihren
Textilarbeiten und Performances
Bekanntes und Unbekanntes in eine
kommunikative Beziehung zueinander:
Sie füllt den Raum mit Objekten, deren
eigentliche Proportionen und Funktionen
verschoben wurden. Segerberg
experimentiert mit Werkstoffen, baut
Gegenstände mit untypischen Materialien
nach und platziert sie neben
ihr Arbeitsmaterial: Arbeitskleidung,
Farbeimer, Kanister.
„Wörter sind nicht der Schlüssel
zum Schloss von Ulrika Segerberg“
schreibt Katrin Plavcak, Segerbergs
Weggefährtin und Performance-
Partnerin. Denn Ulrika Segerbergs
Arbeiten haben ihr eigenes Vokabular.
Das ABC besteht aus recycelten
Materialien, aus Stoffen, Farbe und
gefundenen Objekten. Sie komponiert
das Ensemble auf eine Art und Weise,
dass immer wieder neue „Sätze“ und
Konstellationen entstehen. Dadurch
bleibt in ihren Formenspielen der
Eindruck des instabilen und provisorischen
Moments stets erhalten.
In den dreidimensionalen Collagen
wirken die einzelnen Objekte oft wie
zur Seite geräumt, zusammengestaucht,
als müsste Platz geschaffen
werden, um den Boden zu fegen. Sie
treffen sich hier nur zufällig, sind
deplatziert und erscheinen etwas
verlegen. Von ihrer eigentlichen
Position entfernt, müssen sie sich neu
orientieren und ihre Identität, die doch
stark an ihre eigentliche Funktion
gebunden war, neu erfinden. Dadurch
kann ein Dialog zwischen den Dingen
entstehen, in dessen Mitte wir uns als
Betrachter befinden. Wir lassen uns
mobilisieren und sind Mitakteure – sie
beäugen uns, wir beäugen sie: „Trust
me not“ ist der Titel von Segerbergs
neuen Installation, in der sie Elemente
aus schon bestehenden Werkgruppen
herauslöst und zusammenbringt.
„Trust me not“ heißt die Arbeit
vielleicht auch deshalb, weil wir uns
in Bezug auf ihre Komposition und
Bedeutungszuschreibung nicht zu sehr
festlegen sollten.
Ausgehend von einer Spam-Mail mit
dem Hinweis Mrs. Tess Crow wants
to remove the space between you and
her entwickelt sie die Arbeit Remove
the Space (2015) mit dem Vorhaben
den tatsächlichen physischen Raum
zwischen „Dir“ und „Mir“ zu entfernen.
Hierfür baute sie ein raumgreifendes
Zelt in die Ausstellungsräume des
“Västerås Konstmuseum”, Schweden,
und komprimiert dabei wortwörtlich
den Raum. Auch in ihrer Arbeit für
Feelings of my Thatched Hut gilt es
diesen Raum zu verringern und eine
nicht hierarchische Kommunikation zu
etablieren, bei der die Frage aufgeworfen
wird, wo man selbst eigentlich
aufhört und der andere anfängt.